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POSITION der KJS Nord gGmbH - Orientieren, aktivieren, entwickeln und stabilisieren… über die Notwendigkeit sozialstaatlichen Engagements in Jugendwerkstätten und Pro-Aktiv-Centren (PACE) in Niedersac

Fehlende Schulabschlüsse, Herkunft aus bildungsfernen Milieus, diverse psychosoziale, gesundheitliche oder finanzielle Probleme oder akute persönliche selbst- oder fremdverursachte Problemlagen; die Palette an hinderlichen Rahmenbedingungen ist divers, die einen erheblichen Unterstützungsbedarf für die Adressat*innen von Maßnahmen in Jugendwerkstätten begründen lassen. Jüngste (sozial)- gesellschaftliche Herausforderungen wie die Klimakrise, Wirtschaftskrise, Corona, Flucht und Migration und schließlich auch der Krieg in der Ukraine tragen ebenfalls dazu bei, dass junge Menschen, die von jeher damit Probleme haben (und vorfinden), sich in unserer (Erwerbs-) Gesellschaft zurecht zu finden, drohen, von uns nicht ausreichend wahrgenommen und unterstützt zu werden. Um sich Gehör zu verschaffen, fehlt ihnen oft genug der Anspruch und auch die Einsicht, dass unsere soziale Gesellschaft mehr für ihre Integration unternehmen sollte, als es bislang geschieht. Sie haben schlicht keine Lobby und spielen bei der Verteilung der für den Sozialstaat aufgewendeten Mittel häufig nur eine untergeordnete Rolle.

 

Für die Zielgruppen der Jugendwerkstätten und Pro-Aktiv-Centren (PACE) hat das Land Niedersachsen ein Förderprogramm mit zwei Programmteilen aufgelegt. Dabei handelt es sich zum einen um den Programmteil „Jugendwerkstätten“ sowie um den Programmteil „Pro-Aktiv-Centren“. Es handelt sich um Angebote der Jugendhilfe (§ 13 SGB VIII), die darauf abzielen, junge Menschen sozial zu integrieren, persönlich zu stabilisieren und in die Lage zu versetzen, an weiterführenden Bildungsmaßnahmen, teilzunehmen oder eine Ausbildung oder Beschäftigung anzunehmen.
Jugendwerkstätten und Pro-Aktiv-Centren arbeiten an der Schnittstelle von Jugendhilfe und Arbeitsmarktförderung. Mit den beiden Programmteilen werden die Leistungen der örtlichen Träger der Jugendhilfe unterstützt und die Leistungen des SGB II und SGB III ergänzt.


Vom 01.07.2022 bis zum 30.06.2028 stehen für insgesamt 92 Jugendwerkstätten und 43 Pro-Aktiv-Centren insgesamt 77,4 Mio Euro ESF- und 90 Mio Euro Landesmittel zur Verfügung. Die NBank hat das Antragsverfahren eröffnet. Nach Auskunft des Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung beläuft sich die Teilnehmendenzahl in den Jugendwerkstätten und PACE auf ca. 10.000 junge Menschen. Eine regelhafte Finanzierung ausschließlich über Landesmittel ist für diese wichtige sozialgesellschaftlichen Aufgabe auch für die nächsten Jahre nicht vorgesehen. Vorerst bleibt es bei der Mischfinanzierung, die bei den Leistungsanbietern dieser Maßnahmen dazu führt, dass häufig nur in kurzen Projektzeiträumen sowohl inhaltlich wie auch personell geplant werden kann. Bei einem bestehenden Fachkräftemangel erschwert dies den Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeitende zusätzlich. Was mit den jungen Menschen geschieht, wenn bestehende Arbeitsbeziehungen zu ihnen einer für sie nicht nachvollziehbaren Zäsur unterworfen werden, kann sich jeder vorstellen, der bereits mit herausfordernden Adressaten in der Sozialen Arbeit gearbeitet hat.

 

Zur vollständigen Positionierung

 

Diese Position ist ein Beitrag der KJS Nord gGmbH zum Europäischen Jahr der Jugend (EJJ) 2022.

Der Autor ist Lutz Heine, DiCV Hildesheim.

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Di, 02. August 2022

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