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Umgang mit sozialer Ungleichheit in Schule – neue Impulse für die Aus- und Fortbildung

Die Schere zwischen sozial benachteiligten Kindern gegenüber Kindern aus privilegierteren Familien geht weiter auseinander – das belegt auch der jüngste IQB-Bildungstrend mit aktuellen Daten. Die Corona-Pandemie hat den Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungserfolg verschärft. Es gibt viel zu tun auf allen Ebenen. Zwei Publikationen aus dem Projekt ACT2GETHER liefern neue Impulse für die Aus- und Fortbildung sowie praktische Lösungsansätze. Denn: Lehr- und Fachkräfte stellt der Umgang mit sozial benachteiligten Kindern vor enorme Herausforderungen – und gleichzeitig spielen sie dabei als zentrale Bezugspersonen eine Schlüsselrolle.


Lehrkräfte stehen tagtäglich vor der Herausforderung, dass alle Kinder und Jugendlichen trotz unterschiedlichster Voraussetzungen fachliche und überfachliche Kompetenzen in Schulen entwickeln. Ein Ziel im Projekt ACT2GETHER war es, Lehr- und Fachkräfte im Umgang mit sozialer Benachteiligung sinnvoll zu unterstützen. Denn teilhabebenachteiligte Kinder und Jugendliche, die in Armut oder mit finanziellen Sorgen ihrer Eltern aufwachsen, die im familiären Umfeld weder Unterstützung noch einen Rückzugsort für schulische Aufgaben haben, kommen mit spezifischen Bedarfen in die Schule.
Was ist Jugendlichen wichtig in den Beziehungen zu ihren Lehrkräften?

Vertrauensvolle und lernförderliche Beziehungen sind gerade für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Lebenswelten von großer Bedeutung. Ihre Potenziale sind oft von Armut und prekären Lebenslagen verdeckt und müssen erst entdeckt werden. In einem Kooperationsprojekt mit Prof. Dr. Tanja Betz von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wurden sozial benachteiligte Jugendliche in Interviews direkt befragt, was genau sie in den Beziehungen zu erwachsenen Vertrauenspersonen brauchen, um anschließend Rückschlüsse auf Lehr- und Fachkräfte im Kontext von ganztägiger Schule zu ziehen.


Ein Plädoyer für habitussensible Beziehungsarbeit

In der Interviewstudie wurde deutlich, wie wichtig aus der Sicht von Schüler:innen die professionelle Auseinandersetzung mit benachteiligten Lebenslagen, Denkmustern und Alltagskultur ist, die den Lehrkräften aufgrund fehlender eigener Erfahrungen oft fremd sind. Um sozial benachteiligten Schüler:innen lernförderlich zu begegnen, ihre Potenziale zu heben, ihnen Selbstwirksamkeit und soziale Eingebundenheit zu vermitteln, bedarf es der Gestaltung habitussensibler Beziehungen.


Den Kompetenzerwerb in der Aus- und Fortbildung unterstützen

Was bedeutet Habitussensibilität in der Schulpraxis? Wie können sich Lehr- und Fachkräfte Habitussensibilität aneignen und in den Beziehungen zu ihren Schüler:innen umsetzen? Welches Wissen und welche Kompetenzen sind darüber hinaus für die Gestaltung von Beziehungen und Lernprozessen im Kontext von sozialer Benachteiligung relevant? Und welche Antworten können Aus- und Fortbildung hier geben? Die beiden Publikationen aus dem Projekt ACT2GETHER geben Antworten auf diese Fragen und liefern wichtige Impulse für die Verantwortlichen in der Aus- und Fortbildung.

Der Sammelband "Soziale Ungleichheit und die Rolle sozialer Beziehungen in der (Ganztags-)Schule – kein Thema für die Fortbildung?" von Prof. Dr. Tanja Betz, Dr. Alexa Meyer-Hamme und Arne-Christoph Halle fasst die zentralen Ergebnisse des Kooperationsprojekts mit der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zusammen: Neben den Bedarfen von Schüler:innen geht es um das Wissen und Können von Lehr- und Fachkräften im Kontext von Benachteiligung sowie Lösungsansätze für die Professionalisierung.

In der praxisorientierten Expertise "Die (Re-)Produktion sozialer Ungleichheit in der Schule: Ein Thema für die Lehrkräfteausbildung" stellen Prof. Dr. Sabrina Rutter und Dr. Florian Weitkämper ein Lehr-Lern-Konzept für die Ausbildung von Lehrkräften vor, über das sich Lehrende und Studierende in sieben Modulen selbstreflexiv mit den eigenen Vorstellungen vom Lehren und Lernen sowie von Schüler:innen aus unterschiedlichen sozialen Kontexten befassen können.

 

Quelle: Bertelsmann-Stiftung, 19.12.2022

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Veröffentlichung

Mo, 06. Februar 2023

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